Lerche

L E R C H E N F L U G – texte inarbeit


Heimat
Die vertrauten Straßen und Plätze
Die Reste einer Brauerei
Pferdekutschen mit Bierfässern rollten heraus
Eisenbeschlagene Hufe klapperten
Kopfsteinpflaster im Regen

Heimat
Himmel & Hölle mit Fleischwurst
und auch Reibekuchen mit Apfelmus
zu viert an einem Tisch
freigehalten ein Platz
für einen unerwarteten Gast

Heimat
der vertraute Duft deines Haars
dein Lachen über meine Scherze
deine Großzügigkeit und Fähigkeit
zu vergeben
DU an meiner Seite

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Im Rollstuhl

Die Räder blockiert
für sicheren Stand
Worte drehen sich in
Schluchten des Hirns

Hirnfunkel sternenklar, ungebremst
Gedanken spielen Billard
kannst sie nicht fangen
mit rechtwinkligen Händen
auf Lehnen gestützt.

Noch im Winkel des Auges
dem Sprachrhythmus folgen
seinen Klang erkennend
als das, was er immer schon war
körperlose Schönheit.

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Keine Helden − nirgends

Die kleinen Menschen
erobern sich die Welt
unsere Herzen gleich mit

Eine Entdeckungsreise
quer durch den Garten
rein in die Wohnung

Macht nicht Halt
an der Teppichkante
nur vor dem viel zu hohen Sofa

Schnell eine Mauer gebaut
gestapelt aus Schaumstoffteilen
diese Hürde ist genommen

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Irlandzyklus

Regen

fein gewebt über die Hügel
ein Flügelschlag der Möwe
zerreißt ihn nicht

stoisch wendet sich das Schaf
seinen nassen Halmen zu.

Auch du bist dort auf dem Weg
zerteilst den Nebel nicht

bist ausgeliefert - wie das Gras
in prächtigem Grün gewachsen

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Im PUB

Jeder Zapfhahn ein anderes Bier
an der Bar plätschern Gespräche
und nebenan der Bach

Schwere Regenwolken hängen
über den grünen Hügeln
die Schafe schlafen im Stehen

Der Schäfer im langen Mantel
versteht die Kunst
Schafe in seine Augen
zu zaubern

Hier trinkt er Guinness und Whisky
isst Omelett aus entwendeten Eiern
Schlimmer noch der Nachbar -
nagt an ihrem Bein

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Oh Irland

deine Hügel grün und fruchtbar
deine Flüsse weinen
von Westen das schwere Gewitter
nach Osten ziehen die Jobs

in den verfallenen Häusern
spielen Kinder mit leeren Augen
nur die Musik feiert
oft auch in Moll

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Am Morgen

Zittrig grüßt der Morgen
die Nachthaut verliert ihren Glanz

Sanftmütige Wipfel
wiegen im Takt das Land

Sattgrüne Schafsweiden
Hungrige Jungtiere geschützt
durch Dornendraht an rostigen Steilhängen

Du gürtest den Schuh
übersteigst die Drähte auf löchrigen Trails
läufst vorbei an durchbundenen Wassern

Halt sucht dein Fuß
im Nacken den Rucksack und die Angst vor dem Sumpf

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