Lerche

L E R C H E N F L U G – texte inarbeit

Reißverschluss des Morgens

Wieder liegt Tau
auf den zarten Geweben
der Spinne heute

Aus dem Reißverschluss
dieses Morgens
fließt ersten Sonnenlicht kraftvoll

Tief im Tal
strömt das Wasser
treibt das Mühlrad stetig

Neben dem Bach
sitzt du
fließen Gedanken absichtslos

Notwendig

Ein sorgfältig gespitzter Bleistift
geprüft mit dem Daumen
das Radiergummi
hinten aufgesetzt
liegt bereit diese Zeilen
zu schreiben und wieder
zu verwischen

Erinnerung

Fein gemahlener Muschelkalk
auf dem leeren Strand
Füße durchziehen den feinen Sand
bis hinter den Horizont
wo alles begann

Erkennen

Flügel um Flügel
im immerwährenden
kreisenden Bahnen
Auf der Kuppe
zaust der Wind den Hügel

dem Dreh auf die Spur
kommt du nur
trittst du durchs Tor der Langsamkeit
dahinter verblasst
der Rausch der Geschwindigkeit

Farben

geöffnete Tulpen ziehen
an mir vorüber
kein Gedanke ist so klar
wie der an Farben
& Formen ihrer Kelche

Noch intensiver die Farben
im Schnee aber auch kalt
wenn er schmilzt bleibt Einsamkeit

Warten

Noch immer liegt Grau
bleiern auf dem Frühling
Hagelschauer köpfen frühe Blüten
nach Wärme sehn ich mich
nicht länger werden die Tage

In diesem Frühling meiden die Vögel
den Zug nach Norden
mir fehlt ihr Gesang

Des Mondes Sichel ritzt
meine blasse Haut
In Eiszapfen blitzen Sterne

In den nahen Morgen
träume ich mich

Nachts

Heute Nacht ist das Gespräch
selbst die Reise
nehmen unser Schicksal
in die eigenen Hände
der Abstand verschwindet

Worte werden überflüssig
sobald wir angekommen sind

Einsamer Abend

Stoisch wendest du dich ab
von mir - ihm zu
das Haus ist leer und still
jeder Gedanke erlischt

Vor zwei Stunden verschwand
der Mond hinter den Wolken
verschattete sein Licht
du versinkst in der Nacht

Deine Gefährten haben vor Stunden
die Boote bestiegen sind hinaus
auf die hohe See einen darauf
und eins auf die See

Rotes Sonnenlicht kriecht über die Teller
die Reste der Nacht stehen
in Gläsern auf dem Tisch
du warst wieder allein

Ebbe und Flut

Treibst über den Sand
von Muscheln zerschnitten die Füße
längst verließ die raue See die Küste

Leckst deine Wunden abends am Feuer
blickst in die Flammen
und verbrennst deine Lügen

Diesen Aschegeruch vertreibt kein Wind
er bleibt dir im Mantel und mahnt dich
den Stab nicht zu brechen

Du stehst allein an der Küste
die See kommt zurück denn es ist
Zeit für die Flut und die Gischt

Über Bord

Meine Vorstellungen von Freiheit kentern
beim ersten Treffen
ich lasse mich treiben und vertraue dir
Die Augenblicke füllen
das tiefblaue Meer und
die Tage passen wie Handschuhe

Wir sitzen im Rettungsboot
unserer Wünsche
vor uns der Horizont das Land
längst aus dem Blick entglitten
Möwen kehrten zum Ufer zurück
Zeit Segel zu setzen

Mein Bild

Schnelle sichere Striche mit weichem Stift
über raue Oberfläche haften bleibt
Grafit und mein Antlitz
auf deinem Papier

Verleihst meinem Gesicht Glanz
sichtbar für dich
das Leuchten in meinen Augen
erhellt diese kurzen Blicke

Die Kolorierung sehr verhalten
zu spüren das Glühen deiner Bewegung
verblassen wird beides im Herbst
zurückkehren das Grau

Die Zeichnung aus diesem Sommer
raunt begehrendes Flüstern
durch die Striche hindurch sehe ich
in deine glücktrunkenen Augen

Der frühe Herbst legt sich auf das Büttenpapier
das Dach muss ich decken vor Einbruch des Winters