Trauer um die Bäume





Kein Abgesang - Die Lerche fliegt!

Die Bäume sind gefällt und es ist, wie einen guten Freund zu verlieren. Wir haben uns so stark für ihren Erhalt eingesetzt und jetzt sind sie doch unter die Räder der Baufahrzeuge und Schneidemaschinen gekommen, die tiefe Furchen in den ehemals von uns gepflegten Rasen des Schlossgartens hinterlassen. Aber noch schlimmer als diese Reifenspuren sind die Baumstümpfe, die überall noch einige Zentimeter aus dem Boden ragen und eine letzte Idee von der Größe der hier gefällten Bäume geben.

Das ganze Schlachtfeld eingezäunt von einem blickdichten Zaun damit die Bevölkerung beim Vorübergehen nicht das Elend sehen kann. Nur von den höher gelegenen Straßen und Brücken ist ein Blick möglich auf dieses unsägliche Zerstörungswerk. Wie kann ich die Bilder löschen? Wie die Lähmung überwinden, die mich erfasst hat, wie die Trauer besiegen, die mein Herz nach der Niederlage umklammert?
Mehr als zwei Jahre haben wir gekämpft, uns engagiert für eine Sache, die nun verloren ist. Die Bäume sind weg, der Nordflügel zerstört und in den Südflügel beißt sich der Abrissbagger mit jedem Tag tiefer hinein. Bis heute konnte die Bahn nur zerstören. Selbst das, was sie aufgebaut hat, das Grundwassermanagement funktioniert nicht. Über diesen Arbeiten ist ein Baustopp verhängt worden.

Kann ich die nächsten Monate mit diesem Gefühl der Niederlage und des Verlustes leben, bis es sich ganz langsam abgeschliffen hat wie nach der Beerdigung eines Menschen? Man feiert das Sechs-Wochen-Seelenamt, dann nach einem Jahr lässt man noch einmal eine Messe lesen, längst ist der Grabhügel eingeebnet und der Stein gestellt. Ganz allmählig kommt die Aufruhr im Herzen zur Ruhe und das Leben geht weiter.

Wir sollten es nicht bei diesem Verlustgefühl belassen. Es gab so viel Schönes, es gab die Kraft der Bewegung, die Begeisterung, etwas verändern zu können. Das soll in den Blick genommen werden. Daran können sich alle aufrichten, die die Bilder der geschredderten Bäume nicht ertragen können.

10. März 2012 Trauermarsch für die Bäume und den Park

Trauerbanner

Mit einem Schweigemarsch gedenken die Parkschützer den gefällten Bäumen, drücken ihre Trauer über den Verlust dieses Kleinodes im Zentrum von Stuttgart aus.

Plakat Fukushima

Nicht nur ist der Verlust des Parks zu beklagen. Es wird ein Zusammenhang hergestellt der überall auf der Welt für den Profit die Zerstörung der Umwelt in Kauf nimmt.

S21 in Stuttgart - tödliche Energieerzeugung in Fukushima

Die Bewegung wird sich für diese Themen öffnen, das scheint mir sicher. Wir werden über den Talkessel von Stuttgart hinausblicken müssen, um diese Art des Wirtschaftens zu unterbinden.

Kreuze

Wo früher die Bäume gestanden haben, erinnern heute schliche Holzkreuze an ihre Existenz.

170 Kreuze für 170 Bäume, jedes Kreuz beschriftet mit Nummer und Baumart

Kränze

Ein Kranz wird niedergelegt und der gefällten Bäume gedacht. Kondolenzbücher sind ausgelegt, die sicher ein Teil der Stadtgeschichte werden.

Dübbers

Der Enkel des Bahnhofsarchitekten Paul Bonatz hat gegen die Zerstörung des Bauwerks bis in die höchsten Instanzen geklagt. Immer wieder wurden seine Klagen auf Urheberrecht abgewiesen. Heute steht Peter Dübbers unter den Trauernden und fragt: WOZU?

Schlossgarten

Nicht nur die Bäume sind am 15. Februar gefällt worden. Der Lebensraum vieler Tierarten ist damit ebenfalls verschwunden, mitten im Stadtgebiet. Ein Hohn, einige Bäume stehen zu lassen, um den Naturschutzauflagen gerecht zu werden, die Fledermäuse nicht im Winterschlaf zu stören und den Juchtenkäfer umzusiedeln. Diesen Restbäumen wird in Kürze das gleiche Schicksal widerfahren.

Bauzaun

Dort, wo ehedem die Bäume standen, liegt nun diese Brache. gebaut werden kann noch lange nicht. Aber das Zerstörungswerk wurde bereits in die Tat umgesetzt. Der Südflügel zur Hälfte abgerissen, der Park zerstört. Die Bilder sind nur schwer zu ertragen, für die, die gegen dieses Projekt gekämpft haben. Aber sie sind auch Aufforderung, nicht locker zu lassen.

Trauergottestdienst

Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (2. Kor. 12,9)

Unter diesem Motto der Jahreslosung der Evangelischen Kirche findet der Trauergottesdienst im Park statt. Die Pfarrer gegen Stuttgart 21 drücken nicht nur die Trauer über den Verlust des Parkes aus, sondern ermutigen auch, die Schwäche in Stärke zu verwandeln. Musikalisch werden sie begleitet von unserem Parkblechorchester und von Daniel Sissenich am E-Piano. Das Parkgebet hat im Widerstand eine lange Tradition und ist Ausdruck der seiner Vielfältigkeit und Breite.



Ein Feature, zwei Jahre zu spät

Altes Röhrenradio

"Abstellgleis für alle" - Ein Radiofeature

Eine sehr informative Sendung strahlt die ARD in ihren Regional-
programmen aus. Sie zeigt die Schwachstellen der Verkehrsinfrastruktur-
planung in Deutschland auf und untersucht kritisch, wie es zu Stuttgart 21 gekommen ist.

Schalter Sendung zum Nachhören hier!
Oder als MP3 download hier.



Unsere schlimmsten Befürchtungen wurden war!!!

Die Räumung des Parks erfolgte in der Nacht vom 14. auf den 15. Februar 2012. Sofort nach der Räumung begann die Deutsche Bahn, den Schlossparkt zu zerstören. Mit diesem Ergebnis:

Frevel
Park nach der Zerstörung

Foto: © Manfred Grohe

Park vor der Zerstörung

So sah es über Jahre hinweg aus. Das war der Ausgangsunkt meines Engagements.



Spontandemo vor der Parkräumung am 14. Februar 2012

Demo vor der Parkzerstörung

Noch einmal veranstalten die Parkschützer zusammen mit dem Aktionsbündnis eine Veranstaltung mit Redebeiträgen, Musik und Kultur.

Das Motto:
Ihr macht alles kaputt -
uns nicht!


Alles nützt nichts gegen die Brutalität der Bahn.

Am Feuer

In Gruppen wärmen sich die Parkschützer an provisorisch errichteten Feuern auf.

Der Kälte trotzend

Die Parkschützer haben sich in Rettungsdecken eingehüllt, um der Kälte zu trotzen, die nicht nur eine äußerliche ist.



13. Februar 2012: 111. Montagsdemo

Lichterkette

Nach der 111. Montagsdemo versammeln sich die Freunde des Kopfbahnhofes und die Parkschützer im Park. Sie markieren mit Lichern das Terrain, um das ein Zaun gezogen werden soll und zeigen: hier sollen die Bäume gefällt werden



Baumführung mit Bruno

Baumhaus

Robin Wood hat Bäume besetzt und trotzt der Kälte. Gleich am Hauptweg errichteten sie in schwindelnder Höhe ein Baumhaus.

Camp

An seinem Fuß liegt das malerische Widerstandscamp.

Camp

Bunt ist der Widerstand

Bruno

Landschaftsgärtner Bruno erklärt seit vielen Monaten immer wieder die Vielfalt der Bäume im Park. Das ist sein Beitrag zur Verhinderung des Bahnprojektes: Erweckung der Liebe zu den Bäumen.



Mannheim: Grünes Licht für Baumfällarbeiten zu Stuttgart 21
... und die Antwort der Bewegung


Spontandemo in der Schalterhalle

03.02.12, 18:02
Mannheim.
Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat für das umstrittene Fällen von mehr als 100 Bäumen zugunsten des Bahnprojekts Stuttgart 21 grünes Licht gegeben. Dies entschied der 5. Senat nach eigenen Angaben heute in Mannheim. Damit scheiterte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) mit seinen Eilanträgen gegen die Vorarbeiten für den S-21-Tiefbahnhof. (dpa)


Eine Spontandemonstration wird von der Stadt verboten, findet aber trotzdem statt.
Die Schalterhalle fluten am Samstag 300 Demonstranten.

Trotz Protest Baggerbiss

Flüchten oder Standhalten?

An die Baustelle kommen wir von den Bahngleisen nicht heran. Wir können unsere Wut angesichts der Zerstörung nur lauthals bekunden.

Polizisten sichern

Heute hat die Polizei uns auf den Bahnsteig gelassen. Das ist bei keiner Montagsdemo der Fall.

Eine Falle? Wollen sie uns zu unüberlegten Handlungen verleiten?

Trotz Protest Baggerbiss

Ohnmächtig schauen wir zu wie der Bagger sich in das Gebäude hinein frisst.
Bilder vom Sommer 2010 steigen in mir hoch, als der Nordflügel abgerissen wurde.

Polizisten sichern

Eingekesselt von Polizisten.

Sie frieren genauso wie wir. Aber sie haben die bessere Logistik.

Nutzt Deeskalation?

Die Demonstranten sind friedlich.

Die Parkschützer haben schon lange ihre eigenen Deeskalationsteams gebildet. Was ist in den nächten Tagen noch von der Gegenseite zu erwarten?

Eve mit Schild

und wenn alles
zerstört ist,
ist keiner mehr verantwortlich.

Die Verantwortlichen werden dieses Projekt nicht mehr in ihren Ämtern erleben.

Nutzt Deeskalation?

Es wäre so schön, erstürbe alles in klirrender Kälte.

Nutzt Deeskalation?

Mit Demonstrantionen können wir den Abriss des Südflügels nicht mehr verhindern. Und die Bäume?

Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichtshofes sind sie bedroht wie lange nicht mehr.
Die Bahn setzt sich über alle naturschutz-
rechtlichen Bedenken hinweg und wird darin von den Gerichten bestärkt.



Satirischer Jahresrückblick von Peter Grohmann in Ditzingen, 22. Januar 2012

Peter Grohmann

Die Freunde aus Ditzingen hatten zu einem Jahresrückblick der satirischen Sorte eingeladen. Wer kann das aus unserer Bewegung besser machen als Peter Grohmann? Unter dem Titel: ?alles total verlogen, haarscharf an der Wahrheit vorbei." kommentierte er scharfzüngig, las Texte und Gedichte und redete sich um Kopf und Kragen.

Jeder konnte bei Peter an diesem Morgen Humor tanken. Den brauchen wir, genau wie einen langen Atem.

K Ö P F C H E N
Z E I G E N
O B E N
B L E I B E N !!

Flügel TV hat den Auftritt mitgeschnitten.



In der Nacht vom 21. auf den 22. Januar gab die Bahn einen Vorgeschmack auf das, was uns im Schlosspark erwartet: Brutale Vernichtung der Bäume vor der Röhre

Baumrodung vor der Röhre

Foto: © Thomas Igler

Baumrodung vor der Röhre

Foto: © Thomas Igler

Baumrodung vor dem Bahnhof

Foto: unbekannt



Der Tag x2 begann in der Nacht vom 12. auf den 13. Januar 2012

Blockade

500 - 700 Menschen versammeln sich friedlich vor dem Südflügel, nachdem die Parkschützer am späten Abend des 12. Januar Alarm ausgelöst hatten. Der Polizeieinsatz wird ab Mitternacht erwartet.

Die Aktionsgruppe aus Korntal-Münchingen unterstützte die Blockade mit einer starken Gruppe.

Compania Sackbahnhof

Compania Sackbahnhof beruhigt mit getragenen Melodien.

Walzertanzen vor dem Einsatz

Noch schnell einen Walzer getanzt bevor die Polizei kommt...

Es herrscht eine friedliche, entspannte Stimmung, wenn nur die Kälte nicht wäre.

Um 3 Uhr beginnt der Polizeieinsatz mit 2000 Beamten!

Cityschützer DB-Kunde

Wer schützt die Stadt und den Bahnhof vor sinnloser Zerstörung durch die Deutsche Bahn?
Ironie: es sind ihre treuesten Kunden.




Der richtige Standpunkt - Wo steht Kretschmann 2012?

Kretschmann im Schlosspark

Am 30. September 2010 stand Winfried Kretschmann an der Seite der Demonstranten im Park. Wo steht er heute? Erinnern wir uns:

Im Februar 2010 schrieb Winfried Kretschmann einen Brief an Bahnchef Rüdiger Grube und verlangte, die Bahn dürfe erst mit dem Bau beginnen, wenn die Planfeststellungsbeschlüsse für alle Bauabschnitte genehmigt seien.


Im Landtagswahlkampf versprach er alles zu tun, um dieses unsinnge Projekt zu stoppen.

In der Veranstaltung zum Volksentscheid im Theaterhaus am 10. November 2011 verkündetet er:
Ich als Ministerpräsident dieses Landes werde nicht sehenden Auges in eine Situation hineinlaufen, in der eine Großbaustelle in Stuttgart begonnen wird, anschließend die Finanzen aus dem Ruder laufen und ich durch die normative Kraft des Faktischen gezwungen werde, das Projekt über den Kostenrahmen hinaus zu finanzieren.

Wann endlich hält er sein Wort und stoppt die Zerstörung unseres Bahnhofes und die Zerstörung unseres Schlossgartens?

Alle Fotos, soweit nicht anders gekennzeichnet © Michael Seehoff

  © · Michael Seehoff · E-MailAngaben zur Adresse
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